Kaya

Endlich: TEDx (long read)

So, Samstag war es endlich soweit. Der 14. April: „The day of the event“, wie die Veranstalterin gefühlte tausend Mal im Laufe der letzten vier Monate gesagt hat. Die Konferenz fand statt, und es war unfassbar. Auf so viele verschiedene Art und Weisen.

Aber bevor wir dazu kommen, noch ein paar Worte zum Tag davor.

Donnerstagmorgen um 9 Uhr trafen wir uns alle bei den Büros der Veranstalter, um drei Autos und einen Trailer voll zu stopfen mit allerlei. 1000 Bücher, 15 Beanbags, Deko für die Bühne, Kotztüten (Goodie-bags) für die Zuschauer und vieles, vieles mehr. Drei Stockwerke hoch und runter. Ich war vollkommen fertig, als ich endlich auf meinen Fahrrad springen und nach Odeon – der Ort, wo die Konferenz stattfinden sollte – radeln durfte.

Da hieß es dann abladen und das ganze zwei Stockwerke (Seufz) hochtragen. Als wir gerade dabei waren, fing es natürlich an zu schneien (typisches Aprilwetter in Dänemark), und das ganze war eine komische Mischung aus Schweiß, Schnee und Schnaufen. Puh!

Noch durfte nichts an den richtigen Platz gestellt werden, da eine Oper am Abend gezeigt wurde. Ziemlich unpraktisch. Stattdessen wurden die nächsten drei Stunden dafür benutzt Goodie-bags zu füllen, Dekorationen fertigzumachen, Aufgaben zu verteilen, Kostüme anzuprobieren, etc. etc. Ich bekam die Aufgabe, Teil des Guidance-Team zu sein, d.h. ich musste hier und dort rumstehen und Fragen der Gäste beantworten, sie wo-auch-immer hinführen und generell bereit sein, blitzschnell irgendwo hinzurennen, falls einer der Teamleiter irgendetwas brauchte (und das taten sie ständig, Seufz).

Gut. Freitag verstrich und es wurde Samstag. Um 8 Uhr sollten wir wieder in Odeon sein. Frühstück wurde eine halbherzige Sache, aber glücklicherweise gab es genügend Snacks, uns bis Mittag auf die Beine zu halten. Jetzt durften wir endlich alles an seinen Platz stellen, und das taten wir auch fleißig. Die Konferenz sollte eine Flugreise darstellen, weswegen wir zwei Stewardessen-Outfits, 1000 Stuhl-covers, 1000 Kotztüten und 15 Sicherheitswesten von einer Fluggesellschaft zu Verfügung bekommen hatten, die nun alle verteilt werden sollten. Einige der Sponsoren hatten auch Stände, die für die Pause aufgebaut werden mussten, z.B. konnte man bei einer der Stände sein Iris fotografieren lassen, und diese dann ausgedruckt als Postkarte mit nach Hause nehmen. Voll cool! Leider schaffte ich es nicht selber, aber die Gäste waren begeistert. Alles in allem hieß dies aber, dass noch mehr geschleppt, aufgebaut und herumgetragen werden musste. Meine Arme waren sowas von fertig!

Um 11:30 war alles soweit fertig. Um 12 Uhr durften die erste Gäste registriert werden. Meine erste Aufgabe war es, in der Parkgarage zu stehen, und die Leute willkommen zu heißen und sie zu fragen, ob sie ihr Auto beim Automaten registriert hatten. Total spannend.. 75 Minuten stand ich dort unten mit Thomas, ein Kerl aus Tschechien, aber die Leute waren alle sehr froh, dass wir sie daran erinnerten, und das ist ja die Hauptsache.

Während die ersten vier Redner dann vortrugen, musste ich beim Haupteingang stehen, weswegen ich die ersten Reden nicht hören konnte, aber alles wird ja eh später auf YouTube zu sehen sein, also halb so wild. Mir wurde aber erzählt, dass die Reden alle sehr gut waren. Ich bin sehr gespannt, sie mir in ein paar Tage anzuschauen.

In der Pause hatte ich nichts, und auch danach durfte ich mich endlich in den Saal setzen und erleben, was wir auf die Beine gestellt hatten, und es war echt wundervoll! Ich habe gelacht, geweint, bei einer Standing-Ovation teilgenommen und zusammen mit einer der Performances Musik gemacht. Es war echt unfassbar. Super cool! Da dachte ich echt, dass es die ganze Arbeit wert gewesen war, dass der Stress, die Anstrengung, die Müdigkeit und der Muskelkater sich gelohnt hatten.

In der nächsten Pause musste ich wieder beim Haupteingang herumstehen. Wir waren aber etwas verspätet, weswegen die Pause gekürzt wurde und ich mich schnell wieder in den Saal setzen durfte für die letzten Reden. Diese waren nicht ganz so geil wie die ersten, aber auch interessant, z.B. sprach ein Arzt vom Offline-gehen als ärztliches Rezept (er schenkte jeden Zuschauer sein Buch zum Thema – voll cool), schlugen sich sechs Wikinger einander halb oder ganz zu Tode (die Waffen waren aus echtem Stahl und die Holzsplitter von den Schildern flogen durch die Luft), und spielte ein Verrückter auf eine selbstgebastelte Orgel aus Ferbies (der Verrückte nennt sich „Look mum no Computer“ und ist auf YouTube zu finden (ich habe echt selten so gelacht, als bei seinem Auftritt. Ich habe geheult!)).

Ja, und dann war es auch schon vorbei, bzw. jetzt stürmten natürlich 1000 Menschen aus dem Saal um ihre Jacken und das geschenkte Buch zu holen. Es war ein völliges Durcheinander. 1000 Menschen sind echt nicht wenige!

Als all das erledigt war, und die letzten Sachen in den Autos geschleppt war, war die nächste Station dann ein Restaurant, wo später die Afterparty stattfinden würde. Ein Buffet stand bereit, und hier saßen wir dann alle – Veranstalter, Helfer und Redner – und es war einfach herrlich endlich sitzen zu dürfen, auszuruhen und sich voll zu stopfen. Gott war ich kaputt. Meine Stimme war völlig verschwunden und ich saß nur überwältigt dort und versuchte zu fassen, dass es nun vorbei war. Es war echt ein komisches Gefühl.

Um 21 Uhr fuhr ich dann nach Hause. Ich war einfach zu müde, und am Sonntagmorgen musste ich in der Kirche singen, und da tauchte es ja nichts, wenn ich keine Stimme hatte. Die Afterparty schein aber ganz geil gewesen zu sein. Ein DJ kam und alle haben getanzt. Hätte ich das gewusst, wäre ich noch etwas länger geblieben, aber naja. Getan ist getan. Da gibt es nichts zu machen.

Sonntagmittag waren wir dann zum Brunch in den Büros der Veranstalter eingeladen. Ich war etwas verspätet wegen der Kirchensingerei, aber die Stimmung war noch munter, als ich eintraf, obwohl alle ziemlich müde und fertig waren. Ich gewann ein Buch, das eine der Rednerinnen geschrieben hatte – die erste Skandinavierin, die Mount Everest bestiegen hat – und verabschiedete mich dann von den Leuten. Wir alle wollten einfach nur wieder ins Bett, und das tat ich dann auch, als ich kurz nach 1 wieder Zuhause war. Puh! Was für eine Flugreise! Das vergesse ich nicht so schnell wieder.

Es war geil, es war anstrengend, es war wundervoll und es war stressig. Ob ich nächstes Jahr wieder dabei sein möchte, weiß ich noch nicht. Klar war vieles voll gut, aber einiges war auch schrecklich frustrierend. Ich weiß es noch nicht. Es ja auch noch ein Jahr hin, und vielleicht hilft es, wenn ich nur meine Masterarbeit habe, und nicht 5 Fächer, um die ich mich irgendwie gleichzeitig kümmern muss. Es war alles ein wenig zu viel auf einmal, aber ich habe es geschafft und es war echt geil.

Aber nun heißt es erstmal ausschlafen. Gott, bin ich noch kaputt!

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Kaya

Pflanzliches Geschlechtsverkehr

Pollen

Ich habe Heuschnupfen: Meine Augen jucken, mein Hals kratz, ich niese regelmäßig und mein Kopf fühlt sich schwer und halberkältet an. Jeden Frühling ist es dasselbe, bzw. nicht ganz, denn irgendwie scheint es immer schlimmer zu werden. Erst war es nur während der Birkensaison, dann kam die Ulmensaison noch dazu, und letztes Jahr machte mir die Grassaison auch noch zu schaffen. Und wenn das sich schon nervig genug anhört, dann bedenke die weiteren Lebensbereiche, die davon berührt sind! Meine Arbeitsfähigkeit wird nämlich stark eingeschränkt in diesen Monaten, denn so gut wie alle meine Jobs sind von meiner Stimme abhängig.

Beispielsweise singe ich jeden Sonntag in der Kirche. Viele dänischen Kirchenlieder sind voll schön und ich liebe es mit anderen zu singen. Diesen Job mache ich also richtig gern, doch wenn der Heuschnupfen mich erst erwischt hat, geht gar nichts mehr. Dann klinge ich eher wie eine Kröte als wie eine klassische Altstimme, wenn meine Stimme nicht ganz verschwindet oder sich plötzlich überschlägt. Ich trinke literweise Wasser während des Gottesdienstes, um das kratzige Gefühl in meinem Hals zu besänftigen, doch sehr schnell muss ich dann gegen meine Blase ankämpfen.

Als Lehrerin geht es etwas einfacherer, denn bei diesem Job kann ich mich kurz entschuldigen, falls meine Stimme mir Probleme bereitet oder ich schnell auf Klo muss, aber auch hier ist es weniger geil, wenn die Augen brennen und man vor den Studierenden die Tränen weg blinzeln muss. Ach ja.

Der Frühling ist aber endlich da, und eigentlich möchte ich mich nicht beschweren. Es ist so schön wieder die Vögel singen zu hören, die Blumen bewundern zu können und Schmetterlinge beim herumflattern zuzusehen. Es ist morgens und abends hell, es wird allmählich wärmer und die Natur kleidet sich wieder in Grün. Wunderschön. Wenn die Pflanzen nur nicht ihr Geschlechtsverkehr in meinem Gesicht betreiben würde… Ach ja.

Kaya

Hurra hurra die Schule brennt

Brandbil og -mand

Mann, war Dienstag ein komischer Tag! Morgens fuhr ich in die Uni, war beim Unterricht und hatte danach meine Instruktorstunden (die Schüler finden sie immer noch klasse, Gott sei Dank) – soweit ganz normal – aber als ich dann nach Hause radelte…

Ich hatte gerade meinen Stadtteil erreicht, als der erste Hinweis auftauchte, dass etwas los war. Es roch komisch, irgendwie verbrannt. Erst dachte ich nicht weiter darüber nach – manchmal riechen Baustellen ja etwas komisch, und Baustellen gibt es genug von in Odense. Doch als ich mich meinem Zuhause näherte, roch es nicht nur verbrannt, sondern die Luft wurde immer unklarer und dicker. Und als ich die Bahnstrecke überquerte und ich rechts und links die Gleise entlang schaute, war es zur linken Seite vollkommen weiß. Man konnte echt nichts sehen. Völlig schockierte wollte ich erst anhalten, aber die Luft war echt nicht angenehm, und ich war langsam auch etwas nervös, was mich Zuhause erwarten würde. Zwar kam die Rauchwolke von einem anderen Viertel, aber dennoch. In solchen Situationen denkt man nicht immer rational.

Mein Haus war aber intakt und außer des Gestanks war alles wie üblich. Im Netz las ich dann, dass ein großes Gebäude, das Sitz 20 kleiner Firmen war, in Flammen stand und 16 Feuerleute, einen Feuerwehrauto, einen Rettungskran und sogar einen Tank jetzt gegen das Feuer kämpfte. Krass! Und nur 800 Meter von mir entfernt!
Ich blieb drinnen, um die Luft nicht atmen zu müssen, aber schon am Abend hatte die Luft sich weitgehend geklärt. Es roch nun mehr nach Lagerfeuer als nach Großbrand.

Ich dachte, damit hätte die Sache sich erledigt, aber da lag ich vollkommen falsch. Ich hatte gerade Abendessen gegessen und mich an meinen Tisch gesetzt, als ein Polizeiwagen vor meinem Fenster fuhr und dort hielt. Blinklichter, Sirene und allem. Ich blintze verwirrt, als kurz drauf zwei Feuerwehrautos lautstark – aber langsam, als hätten sie nun ihr Ziel erreicht – vorbeifuhren.

Erstaunt versuchte ich durch mein Fenster das Geschehen zu verfolgen, aber der Winkel war schlecht und schließlich gab ich es auf. Ich konnte nur zusehen, wie ein Polizist die Strasse absperrte und mehr und mehr Leute sich vor meiner Wohnung versammelten, um was-auch-immer zu beobachten, zu fotografieren und mit ihren Handys zu filmen. Es war völlig absurd. Ich konnte hören, wie die Feuerwehrwagen mit ihren Löscharbeiten anfingen, konnte Mütter mit ihren Kindern zusehen wie sie einen Unfall oder was-auch-immer zusahen. Ich wollte nicht selber rausgehen, weil mir diese Sensationslust ziemlich stört. Ich verstehe natürlich, dass man neugierig ist, aber das ganze filmen und im Weg sein befürworte ich überhaupt nicht, also blieb ich brav drinnen und versuchte die Blinklichter und die Schaulustigen zu ignorieren.

Am morgen darauf als die Absperrungen entfernt waren, ging ich aber trotzdem nach draußen, denn auch ich bin nicht immun gegen Neugier, und endlich erfuhr auch ich, was los gewesen war: Eine ehemalige aber nun verlassene muslimische Schule war in Brand geraten. Das Dach war pechschwarz und an mehreren Stellen war es sogar eingebrochen. Fensterglas war zersprungen und so nah an dem Gebäude roch es immer noch leicht nach Feuer. Krass. Einfach nur krass.

Keine Ahnung, warum ich euch dies erzähle. Ich denke, ich bin einfach nur verblüfft.

Kaya

Talk like TED

Talk like TED

Der liebe Hanneselch hat mir vor einiger Zeit eine Frage gestellt, wie das eigentlich so mit den Rednern sind, die bei den TED-Konferenzen vortragen – sind sie einfach gute Redner oder werden sie geschult? Ich bin ihm immer noch eine Antwort schuldig, aber jetzt nicht mehr lange! Lies weiter, und die Antwort auf diese interessante Frage hast du!

Denn vor einigen Wochen tauchte zum ersten Mal tatsächlich eine geile Werbung auf Facebook auf, von der ich mich sofort verführen ließ. Die Werbung annoncierte nämlich, dass am 28/03 ein Workshop stattfinden würde, bei der man lernen konnte, wie die Redner bei TED-Konferenzen zu reden. Der Workshop war umsonst, aber es gab nur eine begrenzte Anzahl an Plätzen. Ich habe mich natürlich sofort angemeldet.

Ja, und Donnerstag fand der 5-stündige Workshop also statt. Er wurde von TV2 organisiert (das dänische ZDF) und von Adam Montandon geleitet, der der Leiter des Speaker-Teams bei TEDxOdense ist. Um es sich ein bisschen besser vorzustellen, kann man hier einen kleinen Videoclip sehen (ich bin im Hintergrund zu sehen, oder anders ausgedrückt: ICH WAR IM FERNSEHEN!! (lol…)).

Adam erklärte uns, dass sein Team verschiedene Leute aussuchen, deren Ideen sie toll finden, und sie dann fragen, ob sie Lust haben bei der TEDx-Konferenz aufzutreten. Diese Leute haben also nicht notwendigerweise eine Ahnung davon, wie man eine gute Rede hält, oder wie man ihre Ideen anderen vermittelt.
Um das zu lernen und eine gute Rede zu gestalten, treffen sich die auserwählten Leute mit dem Speaker-Team mehrmals im Laufe von sechs Monaten. Bei diesen Treffen führt das Speaker-Team ein Gespräch mit dem/der Auserwählte. Das Team stellt viele Fragen und macht Notizen von dem Gespräch und ist dabei aufmerksam auf die Sachen, die am spannendesten sind, z.B. ob ein geiles Zitat, interessante Wiederholungen, persönliche Geschichten, usw. Anhand dieser Notizen, die ja über Monate gesammelt werden, entsteht dann schließendlich die fertige Rede, die ausschließlich das Beste vom Besten beinhaltet.

Klingt vielleicht alles ein bisschen komisch und aufwendig, aber die Pointe dabei ist, dass der Redner auf dieser Weise erfährt, wie sein Publikum auf das reagiert, was er erzählt. Kommunikation ist nie eine 1-1 Transmission einer Botschaft. Wenn mir mein Chef sagt: „Kaya, können wir kurz unter 4 Augen sprechen,“ ist die Botschaft, die mich erreicht: „Kaya, du hast Mist gebaut und ich werde dich jetzt feuern.“ Um solche Missverständnisse zu verhindern, und weil ein paar frische Augen immer hilfreich sind, geht TED also auf diese Weise vor.

Und es funktioniert echt voll gut. Das weiß ich aus Erfahrung, denn es war ja nicht umsonst ein Workshop. Wir mussten nämlich mit irgendeiner Person zusammenfinden, die uns nicht allzu ähnlich aussah, und ein Gespräch über unsere jeweiligen Themen führen, die wir uns schon davor ausgesucht haben. Ich habe natürlich Tanzen gewählt, und mein Partner hatte ‚alte Menschen‘ als Thema. Er war Arzt und voll sympathisch, denn alte Menschen und deren Lebensgeschichten sind für ihn eine Herzenssache. Im Laufe unseres Gesprächs nannte er seine Arbeit „bezahlte Freiwilligenarbeit“ und er hat sich ziemlich über die Sichtweise aufgeregt, dass alte Menschen Geld und Arbeit nicht wert sind, da sie eh am letzten Abschnitt ihres Lebens angelangt sind. Er war echt voll lieb. Ich glaube, wir haben uns gegenseitig ziemlich inspiriert.

Naja, aber wir führten abwechselnd ein Gespräch über unser Thema und erhielten danach Notizen, die der andere währenddessen auf ein Papier festgehalten hatten. Mithilfe dieser Notizen sollten wir dann eine 3-minütige Rede vorbereiten. Die Struktur sollte folgendermaßen sein:
1. Erzähl, warum das Publikum sich ein bisschen um dein Thema kümmern sollte. Schreibe 2-3 Stichpunkte aus den Notizen unter dieser Überschrift.
2. Erzähl, warum das Publikum sich etwas mehr um dein Thema kümmern sollte.
Schreibe 2-3 Stichpunkte aus den Notizen unter dieser Überschrift.
3. Erzähl, warum das Publikum sich sehr um dein Thema kümmern sollte.
Beende deine Rede.

Ich dachte erst, ich könnte nie etwas vernünftiges über mein Thema sagen, aber als ich plötzlich mit meinen Stichpunkten saß, hatte ich plötzlich eine klare Botschaft und eine deutliche Struktur – und der Arzt mit seinen Rentnern auch. Es kam also weniger auf unsere Themen oder unsere Sprechfähigkeiten an, und mehr auf die Art und Weise wie unser Thema strukturiert wurde. Ich glaube, diese Herangehensweise kann in vielen Zusammenhängen echt nützlich sein – sowohl für Seminararbeiten und mündliche Prüfungen als auch für Bewerbungsschreiben und Mitarbeiterentwicklungsgespräche, etc.

Ja, und ohne ein Manuskript oder sonst was auszuarbeiten, wurden wir dann dazu aufgefordert, unsere Reden zu halten. Ich habe es leider nicht geschafft, denn wir hatten nur 15 Minuten, bevor der Workshop zu Ende war, aber ich habe trotzdem vieles dabei gelernt und hoffentlich Hanneselchs Frage beantwortet (sonst frag ruhig!).

Kaya

Wie am Schnürchen!

Schnürchen

Man kann von Waldorfschulen halten, was man will (unmittelbar habe ich nichts gegen sie), aber Herrgott wie das Leben dort sprudelt. Ich wohne gegenüber eine normale Volksschule, und die Kinder sind her ganz anders, als sie dort waren. An der Waldorfschule vorbei zu schauen hat mir echt die Augen geöffnet. Dort könnte ich mir schon vorstellen, später meine Kinder zu schicken.

Aber erst mal von Anfang an, denn eigentlich habe ich ja angekündigt, dass ich erst Freitag dort hinfahren würde, doch ich hatte das Glück, noch gestern bei der Waldorfschule vorbeischauen zu dürfen, und alles lief wie am Schnürchen.

Zum einen war ihr Saal voll schön. Die Waldorf-Philosophie beschäftigt sich anscheinend sehr mit Architektur, Farben und Formen, und der Saal war echt wundervoll. Ein bisschen schief, ein bisschen bunt, schön geräumig aber auch nicht zu groß. Mir gefiel es voll. Nur haben sie keine Stereoanlage eingebaut, was bedeutet, dass später ich irgendwie meine eigene Stereoanlage auf meinem Fahrrad mitschleppen muss (das kann heiter werden… ne, ich habe schon ein paar Ideen, wie ich das lösen kann.. und ja, ich müsste vielleicht auch bald mein Führerschein machen, aber Geld und Zeit für alles habe ich nicht).

Zum zweiten kam es zu einem wundervollen Zufall: Die Leiterin, die mich herumführte, wollte mich unbedingt noch den Rest der Schule und des Kindergartens zeigen, und lustigerweise traf ich dort eine Kindergärtnerin, von der ich überzeugt war, sie schon irgendwo mal gesehen zu haben. Sie guckte mich auch etwas schief an, also fragte ich sie, ob sie vielleicht tanzt? „Ja, 5Rhytmen,“ „Du meine Güte, deswegen bin ich hier!“. Wir waren beide voll begeistert und haben fast die Leiterin mit unserer Begeisterung angesteckt. Wenn das nicht mal ein Zeichen ist…!

Beim Yogastudium habe ich auch vorbeigeschaut, und auch das wäre eine Möglichkeit, wenn mein Mentor aus irgendeinem Grund ein Problem mit dem Waldorfschen haben sollte. Es ist etwas kleiner, etwas teurer und die Parkmöglichkeiten für Autos sind nicht so gut, aber dafür liegt das Studium sehr Zentral. Es wäre durchaus eine Möglichkeit, aber ich würde die Schule klar bevorzugen.

Also. Wenn alles klappt, hat diese Aufgabe sich erledigt und ich kann wieder etwas freier atmen. Puh. Als ich gestern nachhause fuhr, konnte ich gar nicht aufhören zu grinsen. Ich war so begeistert, so erleichtert und so froh darüber, wie mein Leben sich gerade entfaltet.

Kaya

Verantwortungsmuskel trainieren

Grenzen

Wie schon ein paar mal erwähnt, fliege ich in Mai nach New York, um eine Tanzausbildung anzufangen, damit ich Tanzlehrerin werden kann. Als Teil meiner Tanzausbildung habe ich einen Mentor bekommen, der mir für Hilfe und Ratschläge zu Verfügung stehen soll. Ich habe das Glück, den Tanzlehrer als Mentor bekommen zu haben, den ich schon seit Jahren kenne und der mir durch viele Tänze begleitet hat. Weil wir uns so gut kennen, ist er sehr eifrig und hilfsbereit. Sehr eifrig und hilfsbereit. Ich bin ihm dafür sehr dankbar, aber es fordert mich auch ziemlich heraus (auf eine gute, aber auch etwas anstrengende Weise).

Denn Donnerstag vor zwei Wochen fragte er mich, ob er nicht ein- bis zweimal im Monat nach Odense kommen sollte, um zusammen mit mir hier eine Tanzgruppe zu etablieren. „Ja, voll gern!“ antwortete ich ihn, ohne weiter über die Implikationen nachzudenken, und plötzlich saß ich mit der Verantwortung, eine Location für uns zu finden. In einer Stadt, die ich kaum kenne, weil ich hauptsächlich nur zwischen der Uni und meinem Zuhause radele. Selber Schuld vielleicht, aber bislang machte das kein großes Problem aus. Es genügte mir völlig, doch das änderte sich nun schlagartig.

Am Anfang war ich noch guten Mutes. Es wäre bestimmt ein Leichtes – ein bisschen googlen, eine nette Mail schreiben, vorbeiradeln und es wäre erledigt – aber 15 Mails, zwei Telefonate und etliche Gespräche später, wurde es mir klar, wie groß diese Aufgabe tatsächlich war/ist. Ich habe mit der kommunalen Leitung telefoniert, Mails an sieben verschiedenen Grundschulen geschickt – von der die Hälfte mich ignoriert haben – bin durch die Stadt geradelt, um mit Abendschulen zu sprechen, und alles umsonst, bzw. fast. Ein Gymnasium erlaubte mir, ihre Turnhalle zu begutachten. Bei allen anderen: Fehlanzeige.

Die Abendschulen sehen mich als Konkurrentin an und wollen nichts mit mir zu tun haben. Die meisten kommunalen Möglichkeiten sind viel zu teuer für unser Budget, und es ist echt schwer eine Verabredung zu bekommen, wenn man mich nicht antwortet! Und das googlen! Niemand hat gute Bilder von seiner Turnhalle, seiner Tanzfläche oder seinem Yogastudium – und niemand schreibt, wie groß diese Räume sind oder wie viel es kostet, ihn zu mieten. Gleichzeitig ignorieren sie meine Fragen oder schreiben mir, ich muss mit der Kommune sprechen, wenn ich etwas von ihnen mieten möchte – aber Herrgott, ich möchte doch nur die Größe und die Preise wissen und eine Verabredung machen, damit ich vorbei kommen und mir die Location anschauen kann.

Seufzt. Glücklicherweise stieß ich Donnerstag beim googlen auf ein Yogastudio, das nicht so weit von mir entfernt liegt, und nicht nur hat die Leiterin mich blitzschnell geantwortet, ihre Antwort war auch noch voll nett und endlich positiv. Ich werde Dienstagabend dort vorbeischauen und mir die Stelle angucken. Es klingt sehr gut, und was ich auf Instagram gesehen habe – was wieder einmal nicht viel war, aber doch ein bisschen mehr als andere – gefällt mir sehr. Nur kenne ich den Preis noch nicht, aber darüber werden wir ja dann Dienstag sprechen.

Und am darauffolgenden Tag erhielt ich endlich eine Antwort von der Waldorfschule, wieder einmal positiv. Dort fahre ich Freitagnachmittag hin. Endlich. Ich hoffe sehr, dass es jetzt alles klappt. Das ganze Googlen, Radeln, Mailschreiben und sich Sorgen machen hat mich ein wenig (ziemlich) gestresst.

Denn ich merke jetzt echt, wie große Verantwortung das Lehrer sein mit sich führt. Mein Mentor verlässt sich auf mich, und später werden das auch meine Schüler tun. Ich kann diese Aufgaben nicht einfach auf jemanden anders schieben – ich muss das selber schaffen. Die ersten paar Tage waren deswegen echt schrecklich. Ich habe gerade so viel zu tun, und dann kam noch dies hinzu. Ich schlief schlecht, fühlte mich völlig überfordert und dachte ich schaffe es nie.

Und das war eben der Knackpunkt. Ich dachte lauter demotivierenden Blödsinn und ich glaubte auch noch daran. Ich identifizierte mich mit der kleinen Stimme in meinem Kopf und dachte, was sie sagt, wäre die Wahrheit, wäre meine wahren Gefühle. Die kleine Stimme bin ich aber nicht, und sie kann sich mit ihrer Negativität und ihrem Pessimismus verpissen. Wenn sie denkt „oh Gott, bin ich gestresst“ oder „das schaffe ich doch niemals“, dann denke ich zurück „oh Gott, ist das Leben doch gerade interessant“ und „ich werde das schon hinkriegen.“

Natürlich habe ich immer noch viel um die Ohren, und mein Verantwortungsmuskel muss ich noch trainieren, aber zumindest ist der Hater nun mit einem Cheerleader ausgetauscht worden, und das hilft sehr.