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Großes Mädchen

Ich habe das unmögliche getan. Etwas, was ich mich noch nie zuvor getraut habe, und worauf ich seit Jahren hinarbeite: Ich habe jemandem meine Liebe gestanden.

Ja, ich fasse es auch nicht. Früher habe ich meine Liebe immer als etwas Beschämendes empfunden und mir daher nie getraut, jemandem meine Gefühle zu zeigen. Ich hatte zu große Angst, war zu schüchtern, habe mich zu wertlos gefühlt.

Aber das hat sich jetzt geändert, und ich fühle mich dadurch so befreit und so, so glücklich, und das obwohl mein Liebesgeständnis mit einer freundlichen Ablehnung beantwortet wurde. Natürlich war es kein angenehmes Gefühl, zurückgewiesen zu werden, aber ich bin dadurch nicht zusammengebrochen. Habe nicht einmal weinen müssen.

Stattdessen habe ich mich einfach hingelegt, die Augen geschlossen und mein Inneres gespürt und mit ihm geatmet. Nach einer Stunde ohne Tränen, ohne Hass, ohne Verzweiflung, aber ganz viel Atem, Selbstliebe und Stille, fühlte ich mich so befreit. So unendlich befreit. Ich habe mich meiner größten Angst gestellt – ich war bereit, endlich jemanden offen zu lieben. Daran hat die Ablehnung nichts geändert. Gar nichts. Ich habe das Gefühl, dass ich dadurch mindestens einen Kilometer gewachsen bin.

Denn wenn man aufhört, vor der Liebe Angst zu haben, hört man auch auf, vors Leben Angst zu haben. So fühlt es sich zumindest an. Ich war noch nie so entspannt, so voller Frieden und so ins Leben verliebt. Nichts mehr kann mich umhauen, denn ich spüre keine Angst mehr vor der Liebe.

Es fühlt sich fantastisch an. Ich habe immer gedacht, dass eine Ablehnung das Schlimmste überhaupt sein konnte, aber die Unklarheit, Verwirrung und Chaos eines schweigsamen Herzens ist so viel schlimmer. Ich konnte nicht ich sein, weil ich dieses Geheimnis mit mir rumgetragen habe. Es hat Tonnen gewogen. Jahrelang. Es war so anstrengend und hat so viel Energie in Anspruch genommen. Klarheit ist Freiheit.

Heute habe ich ihn wieder gesehen – zum ersten Mal seit meinem Geständnis letzen Montag – und es hat mich nicht gejuckt, dass er es nun wusste. Ich konnte endlich in seiner Gesellschaft komplett entspannt sein, weil nichts mehr zwischen uns (von meiner Seite zumindest) versteckt war. Ich glaube, er versteht meine Ruhe und Freude nicht. Ich glaube sogar, dass ich ihn etwas Angst mache, denn ich strahle eine neue Stärke und Lebensfreude aus. Das hätte er wohl nicht erwartet, so kurz nach seiner Zurückweisung. In der Liebe zu ruhen, macht aber echt stark und sorgenlos. Was soll man da machen?

What a journey. Ich fühle mich unaufhaltbar. :)))))

Kaya

I’m crazy and I know it

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Ich hätte gedacht, ich wäre cool drauf; dass ich leicht mit dem Sozial Distancing umgehen könnte; dass die Coronakrise mich nicht sonderlich stören würde. Ich meine – Zuhause sitzen, den Tag frei strukturieren können, viel Zeit zum Lesen, Ausschlafen und Tanzen haben. What’s not to like?

Aber Herrgott habe ich mich geirrt.

Wenn ich nicht jeden Tag tanze (was mein Körper nicht erträgt), drehe ich durch – was also heißt: Ich bin gerade am durchdrehen. Komplett. Am einen Tag bin ich nur am rumheulen, am nächsten bin ich wahnsinnig produktiv, um mich abzulenken (habe irgendwie meine 70-seitige Masterarbeit fertig geschrieben, die E-Mailadressen von 6000 österreichischen LehrerInnen gesammelt, mindestens 10 Blogposts für Moonshot Pirates geschrieben und meine eigene Website gebaut), und dazwischen esse ich viel zu viel Schokolade und mache crazy Fitness-Challenges. Gesund? Wahrscheinlich nicht, aber ich brauche es, um nicht komplett auszurasten.

Was soll ich sagen? Kann ich was sagen? Es sind verrückte Zeiten und ich passe mich halt nur an… Außerdem: Verrückt werden ist echt ein spannendes Erlebnis. Ich lerne viel über mich und überdenke vieles in meinem Leben. Es tut weh aber es tut auch irgendwie gut.

Aber Mann! Ich hätte echt nicht erwartet, dass ich so reagieren würde, aber ich bin auch echt viel zu streng mit mir. 3 Wochen bin ich nur rausgegangen, wenn ich einkaufen musste – was ich dann auch noch so schnell wie möglich gemacht habe. Spazieren habe ich mich nicht erlaubt, und hier wo ich wohne, gibt es keinen Garten, keinen Balkon, – ja nicht einmal einen Aufenthaltsraum. Auf (allmählich sehr säuberliche und aufgeräumte) 20 m2 bin ich eingesperrt. Den ganzen Tag. Ständig. Mit mir allein. Puh.

Heute bin ich deswegen zwei Stunden spazieren gegangen am Donaukanal. Wunderbar. Wow, habe ich das gebraucht. Sonne zu spüren, Vögel zu hören, frische Luft zu atmen (hatte zwar einen Mundschutz mit, aber nicht getragen). Einfach nur wunderbar. Das mache ich auf jeden Fall wieder – wann auch immer ich nicht gerade tanzen kann. So eingesperrt zu sein ist echt die Hölle. Ich habe so großen Respekt und Mitleid mit den Leuten, die schon vor dem Coronachaos in solchem Zustand leben mussten.

Abgesehen von dem Wahnsinn geht es mir aber gut. Ich lerne gerade, Kopfstand zu machen. Wollte ich schon seit Längerem lernen, und jetzt habe ich die perfekte Gelegenheit. Sehr cool.

Life is strange, life is good, und verrückt sein hat auch was.

Kaya

Neue Wege in unsicheren Zeiten

ENjoy the sun

Ich bin nach Wien gezogen, um für ein Unternehmen zu arbeiten, das Bootcamp für junge Menschen zwischen 15 und 19 Jahre macht, damit sie neue Zukunftsperspektiven, Mut und innovative Fähigkeiten entwickeln. Bislang ist es ein fantastisches Erlebnis gewesen – ich habe so viele nette Menschen getroffen, junge Menschen wirklich fördern können und so viel gelernt – aber dann passierte Covid-19..

Als Unternehmen, das Events organisiert, ist das Virus natürlich eine Katastrophe, und auch für meine Tanzklassen ist es Scheiße. Dass wir pleite gehen, steht offen; ob ich Geld vom EU-Erasmusprogramm erhalte, da die Geldgeber in Italien hausen und sie dort verständlicherweise gerade andere Sorgen haben, steht offen; wann ich wieder nach Dänemark fliegen kann, steht offen. Die Situation ist echt nicht leicht, ist echt unsicher.

Aber obwohl wir gerade vor einigen großen Herausforderungen stehen, heißt das lange nicht, dass wir aufgegeben haben, nicht weiter Vertrauen bewahren, nicht länger uns für das einsetzen, woran wir glauben. Wir machen weiter, doch auf eine anderen Art und Weise: statt Bootcamps produzieren wir nun Webinars.

Wie wir das auf die Beine gestellt haben, war echt unglaublich. Am Mittwoch entschieden wir, dass wir die geplanten Bootcamps verschieben mussten, und schon am Donnerstag war die Idee für das Webinarprogramm schon entwickelt und die ersten Vortragenden organisiert. Es gab so viel Unterstützung von so vielen Seiten, es war echt unglaublich. Die österreichische Regierung und einige Unternehmen im Bildungsbereich unterstützen uns durch Werbung in ihren Newslettern, zig internationale Vortragende haben sich bereit erklärt, ihre Zeit und ihr Wissen mit uns und der Welt zu teilen, und uns sind so viele Ressourcen zur Verfügung gestellt worden – und in so verdammt kurzer Zeit. Ich bin erstaunt, erfreulich erstaunt.

Wer sich also Zuhause langweilt, Inspiration braucht oder sich nach sozialen Kontakt sehnt, ist herzlich eingeladen an den Webinars teilzunehmen. Sie sind kostenlos, improvisiert und mit Herzen organisiert. Entrepreneure, Ex-Sportler, eine FilmemacherInnen, SchauspielerInnen, Creative Content Produzers, UX-Designer und vieles mehr werden in 30-40 Minutenformat Inputs geben und mit den Teilnehmenden diskutieren. Auch ich werde ein Webinar veranstalten: Eine halbe Stunde freies Tanzen mit mir als Guide. 🙂

Vielleicht hat es ja Interesse. Falls ihr mehr erfahren wollt, einfach hier klicken.

Kaya

Untergang oder Übergang?

So.

Die Welt scheint unter zu gehen, was? Als ich vor ein paar Wochen zum ersten Mal von Covid-19 gehört habe, hätte ich nie, nie und nimmer (!), gedacht, dass es so weit kommen würde. Massenpanik, Isolation, Hamsterkäufe, Tod. Ob es in den Weltkriegen auch so war, sich auch so angefühlt hat? Der Wahnsinn.

Generell war dieses Jahr schon irre. Waldbrände in Australien, Brexit, die Grenze zur Türkei und nun dieses Virus. Es kommt einem fast so vor, als würden wir gerade den Höhepunkt eines globalen Chaoses erreichen. Es klingt und scheint wie Weltuntergang.

Doch ist das wirklich so?

Denn ich muss sagen, ich bin einfach nur erstaunt, wie viel Verantwortungsbewusstsein, wie viel Unterstützung, wie viel Humor und wie viel Kreativität gerade die Runden machen. In Italien singen die Leute gemeinsam auf ihren Balkons, um munter und verbunden zu bleiben; in den Nachbarschaften hier in Wien bieten jüngere Erwachsene älteren Erwachsenen an, für sie einzukaufen; und hunderte Veranstaltungen weltweit werden ins Netz geholt und umsonst online angeboten. Es gibt Chaos, es gibt Panik, es gibt Tote. Aber es gibt auch so viel Hoffnung, Mut und Geschlossenheit. Ich bin voller Bewunderung.

Vielleicht gibt uns diese Situation die Möglichkeit, endlich mal den richtigen Weg als Menschheit einzuschlagen, Barrieren zwischen uns abzubauen, und als Gemeinschaft zusammenzukommen, um die Probleme anzugehen, die unser Leben auf Erden gefährden. Covid-19 hat deutlich gezeigt, was alles möglich ist, wenn wir uns zusammenreißen. Vielleicht haben wir jetzt die Chance, den Weltuntergang (den wir ja auch ohne Corona gerade ansteuern) zu verhindern und ihn in einen Weltübergang zu verwandeln – einen Übergang zu einer besseren, bewussteren, lieberen Welt.

Lass uns nicht vergessen, was wir gerade erleben. Lass uns daraus lernen. 🤞

Kaya

Fastenzeit

Zurzeit beobachte ich ein sehr interessantes Phänomen hier in Österreich: Fastenzeit. Zwar gibt es auch so etwas in Dänemark (es nennt sich ”Fastelavn”), aber weil Dänemark ein protestantisches Land ist, und Religion generell keine Rolle spielt, wird es nicht gerade sonderlich ernst genommen. Kinder verkleiden sich und schlagen Süßigkeiten aus einem dekorierten Fass. Mehr passiert dort eigentlich nicht.

Hier in Österreich ist es aber anders. Ich kenne nicht viele Leute in Wien, aber die meisten, mit denen ich verkehre, werden anlässlich von Fasching irgendwie ihre Diät ändern. Eine Tanzkollegin wird sich nur von Suppen, Juice, etc. ernähren, während zwei meiner Chefs auf Alkohol, Kaffee und Zucker verzichten wollen. Es fasziniert mich sehr dieses Phänomen, und ich habe mich deswegen dazu entschlossen, es auch mal auszuprobieren. Ich werde in der Fastenzeit auf Brot (und andere Teigwaren) verzichten: Mein #1 guilty pleasure (abgesehen von Kaffee, worauf ich auf keinen Fall verzichten werde – ich muss ja noch irgendwie funktionieren).

Ich bin gespannt darauf, wie mein Körper darauf reagieren wird, und welche neue Essgewohnheiten ich entwickeln werde. Teigwaren liefert so einfache schnelle Kalorien, aber leider wird es auch so schnell ungesund (die Nougat-Nuss Croissants, die es hier gefühlt überall gibt, sind schrecklich verführerisch). Also mache ich jetzt eine zeitlang Schluss; ich glaube, es wird mir gut tun.

Habt ihr irgendwelche diät-relatierte Pläne zur Fastenzeit?

Kaya

Verliebt

Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich so schnell so sehr verlieben würde. Nicht einmal ein Monat ist verstrichen und jetzt schon weiß ich, dass wir zusammen gehören – das Klettern und ich. Es tut meinem Körper einfach so gut und fordert mich echt heraus, mich auf meinem Körper zu verlassen. Wenn man drei Meter über den Boden hängt, und man den nächsten Griff mit dem Fuß und zwei Finger schaffen muss, darf man keine Sekunde zweifeln, sonst schafft man es nicht. Es ist mega.

Aber wie haben wir uns überhaupt getroffen? Ich erwähnte zu einem Freund von mir in Wien, dass ich gern mal klettern gehen wollte – hier gibt es so viele Berge und es schien mir der perfekte Ort dafür, das endlich mal auszuprobieren. Eigentlich meinte ich Bergsteigen, aber er dachte sofort an Bouldern und somit nahm er mich in einer Boulderbar mit, die nur 5 Minuten Fußweg von mir entfernt ist.

Für diejenigen, die Bouldern nicht kennen: Es ist klettern an Felswänden ohne Seil und Gurt in Absprunghöhe. Vielleicht habt ihr schon mal eine Wand voller bunten Blöcken in allerlei Formen und Größen gesehen? So ungefähr soll man sich das vorstellen. Man sucht sich eine Farbe aus und muss dann einen Weg zum obersten Block mit dieser Farbe finden, wobei man natürlich nur Blöcke (und die Wand) mit der ausgewählten Farbe berühren darf. Man nimmt allerlei Körperpositionen ein, um das zu schaffen, und muss sich wahnsinnig auf Balance und Energieverteilung konzentrieren.

Nicht nur macht es echt viel Spaß (besonders wenn man endlich ein Projekt geschafft hat, womit man mehrere Male gekämpft hat) und sieht wahnsinnig elegant aus; es fühlt sich auch so gut an. Wenn ich am Abend ins Bett gehe, bin ich so was von fertig – so komplett aufgebraucht bin ich nach dem Tanzen nie gewesen – und am nächsten Tag tut mir alles so wundervoll weh.

Nur dreimal war ich los, aber nach dem letzten Mal habe ich mir meine ersten eigenen Kletterschuhe gekauft. Sie kommen vermutlich heute an und ich werde sie dann morgen testen. Ich freue mich!

Kaya

Wiener Grant? Wo, bitte?

Lange nichts gehört, ich weiß. Viel war los und eigentlich ist immer noch viel los, aber ich habe mich jetzt damit zurecht gefunden und habe den Überschuss, einen kleinen Beitrag zu schreiben.

Erstmal: Hallöchen aus Wien, bzw. Servus! Ich bin ankommen – und allmählich nicht nur im physischen sondern auch im übertragenen Sinne. Ich bin jetzt seit einem Monat in Österreich und bislang muss ich sagen, es gefällt mir viel besser als erwartet. Großstädte waren nie mein Ding, aber ich muss gestehen: Wien tut mir gut.

Nicht nur geht es meiner Gesundheit hervorragend, ich habe auch seit ich 17 bin nicht so viele Freunde und Verabredungen gehabt. Das tut unglaublich gut. Meine Kollegen sind der Hammer und ich habe so viele neue Freundschaften geschlossen und alte vertieft. Auch habe ich so viele neue Dinge ausprobiert, die mich überraschend gut gefallt haben: Bislang war ich klettern, winterbaden und habe Lasertag gespielt – alles total geile Erlebnisse, die ich gern wiederholen würde.

Auch mit einem anderen Menschen (und dessen Hund!) zusammen zu leben klappt überraschend gut. Ich habe auf jeden Fall nichts, worüber ich mich beschweren könnte. Erst war ich etwas skeptisch, da ich noch nie mit einem Hund gelebt habe, aber Zucki und ich verstehen uns allmählich ganz okay. Er (oder sie? Ich weiß es nicht) besucht mich täglich (koste es was es wolle… Ja, er kann Türen aufmachen), um meine Aufmerksamkeit und meine tätschelnde Hände für sich zu beanspruchen. Er fasziniert mich ziemlich; sein instinktives Verhalten zu beobachten ist schon echt interessant. Nur riecht er ein bissl (und meine Hände auch, wenn er meine Liebe eingefordert hat), aber das ist wohl kaum zu vermeiden.

Alles in allem bin ich also echt gut empfangen worden. Ich bin so viele lieben Menschen begegnet und bin von allen Seiten unterstützt worden. Eigentlich dachte ich, dass mich der angebliche „Wiener Grant” in den Weg stellen würde, aber noch kommen mir die Wiener und Österreicher generell total nett vor. Voi oag!

Also: Baba und hoffentlich bis bald.

Kaya

Grüß Gott!

Seit 12 Tage befinde ich mich nun in Österreich, und obwohl es sehr viel zu berichten gibt, konzentriere ich mich heute mal auf den Themenbereich Kultur, denn die österreichische Kultur unterscheidet sich überraschend viel von der dänischen. Bevor ich hierher kam, dachte ich mir, die Österreicher würden den Deutschen ziemlich ähneln – was sie teilweise auch tun – aber sie sind doch deutlich anders. Natürlich kann es sein, dass die Süddeutschen auch so sind. Mit denen kenne ich mich noch nicht aus (ich war noch nie südlicher als Hildesheim), aber Horst Seehofer scheint mir nicht so offen, gestikulierend und direkt wie die Österreicher, doch vielleicht ist er auch nur ein schlechtes Beispiel (wahrscheinlich schon. Er ist echt ein komischer Typ).
Lass mir es mal anhand ein paar Beispiele erklären (diese sind alle nur Generalisierungen. Natürlich gibt es auch in Österreich Ausnahmen und geografische Unterschiede).

Erstens kommen die Österreicher mir selbstsicherer vor. Sie vertreten klar und deutlich ihre Meinungen und scheuen nicht von Diskussionen ab. Auch nutzen sie viele Hand- (und teilweise auch Arm-)bewegungen, wenn sie sprechen. Eine Deutsche, die ich in Tirol traf, meinte zu mir, dass die Österreicher eine Misschung aus misslungenen Deutschen und misslungenen Italienern seien. Sorry liebe Österreicher, aber es ist nicht ganz daneben, obwohl es nicht sonderlich nett klingt. Aber schon am zweiten Tag, dachte ich auch, dass ihr irgendwie italienisches Blut in euch haben müsst. Eure Art der Kommunikation sprudelt vor energischen Gestikulation und Eifer.
Dänen dagegen sind viel reservierter. Es gibt in Dänemark das sogenannte Jantegesetz, das besagt, dass man nicht hervorstechen, nicht besser als andere oder irgendwie aus der Menge ragen darf. Eigentlich ein schreckliches Gesetz, aber es prägt die dänische Kultur ziemlich stark. Die Offenheit und Direktheit der Österreicher kommen mir als Dänin deshalb sehr fremd vor. Voll spannend (hoffentlich lernen ich ja was davon im laufe meiner Zeit hier).

Zweitens nimmt der Christentum einen viel stärkeren Stellenwert ein als in Dänemark. Das kommt mir nicht so sehr als Überraschung, denn in Dänemark ist Christentum nichts als Kulturgut. Kaum jemand ist hier tatsächlich religiös oder glaubt an Gott. Irgendwie sollte man die christlichen Institutionen größtenteils abschaffen, denn Herz und Seele ist bei den christlichen Feiertagen und Traditionen nicht dabei. Wir tun echt nur als ob.
In Österreich scheint es aber anders zu sein, denn sogar die normale Grüße beim Supermarkt ist „Grüß Gott“. Daran habe ich mich immer noch nicht gewöhnt. Ich stolpere immer noch über diese komische Grüße (nicht das „Servus” viel besser ist…). Überall gibt es hier auch Weihnachtsmärkte (was es in Dänemark kaum gibt), und die Glocken lauten auch jede Viertelstunde, egal ob man sich im 1., im 7. oder im 23. Bezirk befindet. Auch dass kommt in Dänemark nur in den Hauptkirchen der Großstädten vor.

Außerdem muss ich gestehen, dass ich von der Hilfsbereitschaft der Österreicher beeindruckt bin. Wenn auch immer irgendetwas war – sei es eine Mitfahrgelegenheit, eine Mahlzeit oder eine Frage – irgendjemand war immer bereit zu helfen. Ich musste meistens nicht einmal fragen, da wurde mir schon allerlei angeboten. Ich glaube, es ist wieder diese österreichische Offenheit. Wir Dänen wären der meines Erachtens viel zurückhaltender.

Ich lerne so viel über meine eigene Kultur, indem ich eine so andersartige begegne. Voll spannend. Jetzt wünschte ich mir beinahe, dass ich meine Masterarbeit darüber schreibe statt über Höflichkeit, aber Höflichkeit ist ja auch ein Teil der Kultur, also was soll’s.